Montag, 12. September 2011

Möglicherweise haben wir es verlernt - das mit der Liebe.



"Nora", sagte Mama immer, "pass auf, dass du dir immer treu bleibst."
Und eigentlich dachte ich, dass ich diesen Rat immer befolgt hatte.
Nie wäre mir in den Sinn gekommen, dass gar nicht ich diejenige bin,  die Kindergeburtstage plant, Kuchen bäckt und Schulbrote packt, die abends auf der Veranda sitzt und Kartoffeln fürs Abendessen schält.
Ich habe nie daran gedacht, dass  ich unglücklich dabei wäre, meinen Kindern hinterher zu räumen, sie vom Kindergarten abzuholen und abends lange auf dich zu warten, weil du Überstunden machen musst.
Ich  fand, dass es mir Spaß macht, Mutter und Ehefrau zu sein und diese ganzen Dinge zu tun.
Zwar hatte ich nie geplant irgendwann ein Haus in der Vorstadt zu kaufen mit einem kleinen Garten und extra Zimmern für die Kinder, ich wollte nie so früh schwanger werden und ich hatte auch nie gedacht, dass nach dem ersten Kind noch drei weiter folgen würden.
Wenn sie erstmal erwachsen sind, dann mach ich all das, was jetzt nicht möglich ist.
Ja, ich wollte immer meine eigentlichen Ziele verwirklichen, wenn ich doch erst einmal die Möglichkeit dazu hätte.
Habe immer irgendwelchen Träumen hinterhergejagt und dann war ich plötzlich zufrieden mit dem, was ich war und was ich tat.
Weil ich mir geschworen hatte, glücklich zu werden. Weil ich irgendwann mal irgendwer sein wollte.
Nur stehe ich nun nach all den Jahren vor dem Spiegel - entdecke die ersten Falten und sehe, dass die Haut schlaffer wird, ärgere mich über das graue Haar über dem rechten Ohr und frage mich, wo die Jugend geblieben ist.
Ich sehe in den Spiegel und frage mich, was mit der Frau geschehen ist, die ich zu sein geglaubt hatte.
Und vor allem, was mit der jungen, wilden, verrückten Nora passiert sein mag, in die du dich verliebt hast. Stelle mir die Frage, ob sie irgendwo auf der Strecke geblieben ist zwischen dir und dem großen Abenteuer - der Familie.
Vermutlich war das das einzige große Risiko, das ich je eingegangen bin.
Vielleicht liebst du mich deshalb nicht mehr. Weil ich erwachsen geworden bin, obwohl wir doch genau das nie  wollten. Weil ich nicht nur erwachsen bin, sondern mit dir alt werde, weil wir gemeinsam ein halbes Leben von der Jugend entfernt sind. Weil wir mehr Zeit miteinander verbrachten, als dass wir getrennt waren. Vielleicht haben wir uns einfach aneinander gewöhnt und möglicherweise haben wir es verlernt - das mit der Liebe.
Ja, ich bin nicht wirklich die, die ich sein wollte. Aber doch bin ich stolz auf das, was ich bin. Denn ich kann behaupten, dass ich eine Frau bin, die geliebt und gelebt, geweint und gelacht, gestritten und sich versöhnt hat. Es war nicht alles so, wie ich es mir erhofft hatte, das mag sein.
Aber letztendlich warst du doch das allergrößte Abenteuer meines Lebens.

1 Kommentar:

  1. Ist das ein Text von dir? Wenn ja, dann ist er echt gut. Du bist doch erst 15 oder?

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„Besser kritisiert als ignoriert. Ich kann wunderbar leben mit schlechter Kritik.“ - Frank Farian

Und selbst, wenn du nur plaudern willst, lass mir ein paar Worte da. (:

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