Montag, 12. September 2011

Und ihr Kopf – der war jetzt leer.





Entscheidungen zu treffen ist nie gut. Es ist so endgültig, fand Kirsten.
Nun stand sie vor dem kleinen Waschbecken in ihrer Wohnung, die voller Erinnerungen steckte, und wusch sich schon seit fünfzehn Minuten die Hände.
Sie hatte irgendwo mal gelesen, man solle sich die Hände gründlich mit Seife waschen, nachdem man eine schwierige Entscheidung getroffen hat.
Kirsten hatte lange gebraucht, sie war sich die ganze Zeit über nicht sicher gewesen. Sie hatte in der Wanne gelegen und an die Decke gestarrt, mit und ohne Wasser darin, sie war spazieren gegangen, sie hatte gebacken, gekocht, gebastelt, genäht. Mittlerweile stapelte sich in ihrer Küche das dreckige Geschirr, der Kühlschrank war voll mit Pasteten, Muffins und Lasagne, das Esszimmer war übersät mit selbstgemachten Teelichtern und Kleidern und ihr Kopf – der war jetzt leer.
Eigentlich hatte das alles nichts genützt. Ihr war das noch nie leichter gefallen, nur, weil sie sich mit dem Thema beschäftigte.
Aber an diesem Morgen war sie aufgewacht, hatte aus dem Fenster hinter ihrem Bett gesehen und die Sonne hatte geschienen. Das erste Mal seit zwei Wochen – es war warm und als sie das Fenster öffnete, kam ihr Vogelgezwitscher entgegen.
An diesem Morgen hatte sie gewusst, dass sie so nicht weiter machen wollte.
Und jetzt stand sie am Waschbecken und wusch sich die Hände, weil sie endlich eine Entscheidung getroffen hatte. Sie stand in ihrem Badezimmer, hatte alle Fenster und Türen weit geöffnet, damit die Erinnerungen heraus flogen und Kirsten weinte vor Erleichterung.

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