Freitag, 30. Dezember 2011

Ohne Musik und trotzdem völlig aus dem Takt.



Früher wäre so etwas nie vor gekommen. Dass sie nur noch zu zweit am Esstisch saßen war ungewohnt für beide.
Früher waren sie zu sechst, manchmal zu siebt und zu acht. Da war dann immer etwas los, da war es nie langweilig und es war nie so still.
Nun stocherten sie beide schweigend in dem Nudelgericht herum, das sie gekocht hatte.
„Schmeckt gut“, sagte er. „Dankeschön“, antwortete sie.
Und wieder schwiegen sie eine Weile lang.
Die übrigen Stühle wirkten verlassener denn je und auch die Zimmer, die nun frei standen und nur noch als Gästezimmer genutzt wurden, gähnten vor Leere.
Die Stille war so ohrenbetäubend, dass sie dachte, sie würde taub. Wie konnte er damit leben? Wie konnte ihn das so kalt lassen? Wieso war er so ruhig und sagte nichts?
Früher hatten sie die Stille noch genossen. Wenn die Kinder im Bett waren und sie endlich ihre Ruhe hatten. Vielleicht sogar ein bisschen Zeit für sich.
Es gab Zeiten, da hatten sie alleine im Wohnzimmer getanzt. Ohne Musik und trotzdem völlig aus dem Takt. Und es war völlig egal, dass sie kein Geld hatten und sie in einer fremden Stadt waren, in der sie sich beide nicht auskannten. Sie haben sich geliebt und sie waren glücklich.
Damals war es nie still zwischen ihnen gewesen. Sie konnten stundenlang reden. Über Gott und die Welt und es wurde nicht langweilig, auch wenn sie das gleiche Thema zum fünften Mal diskutierten. Damals dachte sie zu wissen, was Glück bedeutet. 
Sie starrte nun verträumt in ihre Nudeln und zwischen den Tomaten und der Paprika fiel ihr etwas ein. Etwas, worüber sie schon lange Zeit nicht mehr wirklich nach gedacht hatte.
Und sie sah ihn an, sah sein schönes Gesicht und seine sanften Augen, sein Haar, das langsam grau wurde und seine Lippen, aus denen so viele schöne Worte kamen.

Sie sah ihn an und sagte: "Ich liebe dich."

Kommentare:

  1. hihi, dankeschön, das freut mich echt sehr! :) Ich weiß nur nicht, ob ich ihn weiterverleihe, wegen Kettenbriefartig blabla, aber mal sehen. Ich freu mich trotzdem sehr darüber! :)

    Was für ein schöner Text, ich find's total schade, dass ich sowas nicht kann. :(

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  2. Was ein wunderschöner Text!
    Wirklich schöner Blog,
    Weiter so :)

    Viele Grüße,
    Madeline xoxo

    www.madelines-statement.blogspot.com

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  3. einmal bitte diese geschichte zum mitnehmen :)
    glaubst du eigentlich an das was in deinen geschichten so passiert? also könntest du dir vorstellen oder wünschst du dir manchmal, dass es so wäre, wie in den texten?

    Ich schon :)
    x

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  4. Die Geschichte gefällt mir und hat mich einen kleinen Moment in eine Lebenssituation versetzt, die ich selbst bisher nicht erlebt habe, aber doch so sehr nachempfinden kann...

    Viele Grüße,
    Tintenklekks

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„Besser kritisiert als ignoriert. Ich kann wunderbar leben mit schlechter Kritik.“ - Frank Farian

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