Sonntag, 15. Januar 2012

Drum lass Geduld uns durch die Prüfung lernen, weil Leid der Liebe so geeignet ist.



Sie starrte auf die Scherben, die überall in der Küche verteilt auf dem Fußboden lagen.
Blau, klein und spitz starrten sie zurück und sie konnte es beinahe hören, was sie flüsterten: „Das hast du nun davon.“
Es war ein eins a Streit gewesen, wirklich nicht von schlechten Eltern. Es wurde geschrien, gebrüllt, mit Türen geknallt und zu guter letzt wurde das Geschirr zerschlagen.
Er hatte ihr Dinge an den Kopf geworfen, die sie lieber vergessen wollte und sie hatte Sachen gesagt, die sie ebenfalls lieber aus ihrem Gedächtnis gestrichen hätte.
Sachen, die sie nicht ernst gemeint hatte, die in ihrem Zorn aus ihr heraus gesprudelt waren und die sie hatte zurück nehmen wollen, als es schon zu spät war.
Sie hatte es ihm ansehen können, dass es ihm nun endgültig reichte, dass es genug war, dass er keine Lust mehr auf diese ewige Streiterei hatte.
Und da hatte er nicht ganz unrecht, denn auch sie war erschöpft davon, ihm ständig böse zu sein. Auch sie wollte viel lieber in Harmonie mit ihm leben. Doch wie manches auf der Welt einfach nicht miteinander funktionierte, so schienen auch sie nicht miteinander zu funktionieren.
Der Haken an der Sache war nur, dass sie es auch ohne einander nicht taten.
Wie also leben? Wie also lieben?
Madeleine wusste es nicht und hatte es auch satt, darüber nachzudenken. Sie kam auf kein Ergebnis, es war verflucht, die Sache zwischen ihnen. Wenn er bei ihr war, wünschte sie sich, er wäre fort und wenn er es nicht war, sehnte sie sich nach seiner Nähe.
Und sie wusste, so ging es ihm auch und sie wusste, dass sie beide zu stur waren, dies zuzugeben.
Vielleicht waren sie dazu verdammt, ewig so weiter zu machen, bis sie alt und gebrechlich waren und der eine den anderen irgendwann im Schlaf erstickte.
Doch die Ewigkeit ist etwas, womit man nicht spaßen sollte, vor allem, wenn man erst Mitte zwanzig ist und noch so viel vom Leben erwartet wie Madeleine und Benjamin.
Mit verschränkten Armen stand sie in der Küche und starrte die Scherben an, als könnten sie etwas dafür, als wären sie die kleinen Übeltäter. Und alles was sie zu tun brauchte, war den Handfeger zu holen und sie sich aus den Augen zu schaffen.
Es ist nichts passiert, es ist nie etwas gewesen. Frei nach dem Motto „Aus den Augen – aus dem Sinn.“
Sie reckte das Kinn in die Luft, als wollte sie zeigen, dass sie über dem Ganzen stehe, dass es ihr rein gar nichts ausmache, und stieg über die Scherben hinweg.
In der Abstellkammer suchte sie nach Schaufel und Besen, doch alles, was sie fand, war ein kaputter Staubsauger, ein paar Lappen und ein zerlumpter Mob. Verärgert stieß sie die Tür wieder zu und ließ den Blick durch das Wohnzimmer gleiten.
Madeleine konnte es nicht leiden, wenn sie die Dinge nicht an ihrem üblichen Platz finden konnte. Jedenfalls nicht, wenn sie sich gerade mit Benjamin gestritten hatte und sowieso schon gereizt war.
Sie suchte noch ein paar Minuten, konnte aber weder den Besen noch die Schaufel finden und gab es schließlich auf. Dann lagen die blöden Scherben eben noch auf dem Fußboden, wenn er wieder kam. Falls er wieder kommt, dachte sie und schüttelte gleich darauf den Kopf, als wäre das ein völlig absurder Gedanke, für den sie sich schämen sollte.
Madeleine schnappte sich ihre Jacke und ging auf den Balkon um sich eine Zigarette zu genehmigen. Eigentlich hatte sie schon vor zwei Jahren aufgehört, als sie Benjamin kennen lernte, doch hin und wieder verlangte die gegebene Situation nach Nikotin.
Früher hatte sie bei ihren Freundinnen Dampf abgelassen, die ihr dann mitfühlend das Päckchen hin hielten und sie sich wortlos eine Zigarette nahm und sie zwischen ihre Lippen steckte.
Mittlerweile hatte sie ihr eigenes Päckchen, da es immer öfter vor kam. Das war nun schon die dritte diesen Monat. Und es war gerade einmal der zwölfte.
Sie war vermutlich auf dem besten Wege, rückfällig zu werden. Vielleicht sollte sie sich etwas anderes zum Abbau von Stress suchen. Sie könnte nähen oder stricken. Irgendwo hatte sie mal gehört, dass putzen ein kleines Wundermittel gegen Stress wäre. Aber das hatte ihr noch nie großen Spaß gemacht und sie tat es immer nur, weil sie es musste und weil Benjamin es nicht tat.
Sie sollte sich vielleicht ein Hobby suchen, irgendetwas, das ihr auch wirklich gefiel.
Wild entschlossen zog sie ein letztes Mal an der Zigarette, blies den Rauch genüsslich wieder in die kalte Luft und drückte sie im Aschenbecher aus.
Madeleine nahm diesen gleich mit rein und schmiss ihn in den Mülleimer. Sie hatte sich sowieso immer schuldig gefühlt, weil sie Benjamin versprochen hatte, damit aufzuhören.
Dabei fiel ihr Blick auf den Handfeger, der direkt neben dem Mülleimer lehnte.
Sie schnappte ihn sich und kehrte die Scherben weg. Dabei beschloss sie, Benjamin nicht mehr böse zu sein, wenn er wieder kam. Und daran hatte sie auch gar keinen Zweifel. Denn wie hatte sie sich vorhin noch gedacht? Sie konnten zwar nicht miteinander, doch ohneeinander kamen sie auch nicht zurecht. Die Scherben wanderten in den Mülleimer und gleich sah alles viel freundlicher aus. Aus den Augen – aus dem Sinn.


Kommentare:

  1. Dankeschön :)
    Und danke für den Tipp, werd ich mir fürs nächste mal merken ;)

    lg xenia <3

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  2. noelli, dein kommentar erfüllt mich mit dem gefühl vom glücklich sein.
    i like this, danke (:

    endlich mal etwas ohne viel drumherum gerede und gnadenloser zustimmung ;D

    ich hoffe, dir geht es gut? /:

    und.. mh.. ich wollte nicht unbedingt auf liebe über freundschaft hinaus, aber ist wahrscheinlich das übliche :b


    'eine Zigarette zu genehmigen'
    genehmigt man sich wirklich eine zigarette? hab den ausdruck noch nicht gehört :/
    wieder ein guter text, bei dem ich aber meeehr wissen will! du musst jetzt sofort dein buch schreiben! :P

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  3. was soll man dazu denn noch weiteres sagen? :)
    du wießt, dass ich deine art zu schreiben liebe..

    danke btw :))

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  4. Row sehr Poetischer schöner Blog ! Gefällt mir!

    Love S.

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  5. Ich liebe deine Texte! (:

    Ich hab' dich übrigens getagged. ^-^ Wenn du also magst, kannst du ja die Fragen auf meinem Blog beantworten. Aber nur, wenn du Lust hast. :D

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  6. ich komm nur vorbei um die rehe über feld hüpfen zu sehen :D
    ich nehme dir das wohl übel, dass du das wunderschöne lied nicht anhörst, maaaan :( - schon okay, du darfst das :*

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„Besser kritisiert als ignoriert. Ich kann wunderbar leben mit schlechter Kritik.“ - Frank Farian

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