Donnerstag, 19. Januar 2012

Wie Träume, Seufzer, stille Wünsche, der armen kranken Leidenschaft Gefolge.



„Weißt du, Schatz. Wenn Benjamin endlich mal etwas erfolgreicher wäre mit seiner Schauspielerei, dann wäre er vielleicht auch nicht immer so unzufrieden. Dann würde das auch besser mit euch beiden klappen.“
Madeleine verdrehte die Augen, als sie ihrer Mutter zuhörte. Schon seit dem Abend vor zwei Jahren, an dem sie ihr Benjamin vorgestellt hatte, konnte sie ihn nicht leiden.
Es war ein einziger Albtraum gewesen. Während er sich mit ihrem Vater bestens verstand, konnte sie nicht umhin zu bemerken, wie ihre Mutter ihn missbilligend musterte, als er von seinem Beruf als Schauspieler erzählte und bei generell allem, was er sagte.
Ihre Mutter hatte ihn noch nie leiden können. Er wäre nicht gut genüg für Madeleine. Sie hätte sich jemand anderen für sie gewünscht. Jemanden mit mehr Klasse. Sieh ihn dir doch nur mal an, hatte sie zu ihrem Mann gesagt.
Madeleine hatte immer darüber hinweg sehen können, so wie sie schon immer über ihre Mutter hinweg sah. Über die bissigen Bemerkungen und die Blicke.
„So eine Schauspielkarriere braucht nun mal seine Zeit. Niemand wird über Nacht berühmt“, erwiderte Madeleine. „Außerdem ist er 24. Du tust so, als hätte er seine besten Jahre bereits hinter sich.“
„Man weiß doch nie, was passiert.“
„Ganz genau. Vielleicht wird er morgen auf dem Weg zum Bäcker entdeckt und verdient viel Geld und ist berühmt.“
Sie hörte ihre Mutter seufzen und konnte förmlich durch das Telefon sehen, wie sie ihre schmalen Lippen aufeinander presste.
„Alles, was ich sagen will, ist, dass er damit wohl kaum euren Lebensunterhalt bestreiten kann.“
„Das muss er auch nicht! Jedenfalls nicht alleine, schließlich gehe ich auch arbeiten“, schnaubte Madeleine und war wieder kurz davor, sich mit ihrer Mutter zu streiten.
Oder taten sie das nicht schon längst?
Aus diesem Grund rief sie sie nie an, weil sie genau diese Themen vermeiden wollte. Sie wollte nicht noch einen Grund haben, sich nicht bei ihr zu melden. So merkwürdig das auch klingen mochte.
„Madeleine“, sie lachte herablassend, „du bist Kellnerin in einer Bar und verdienst fünf Euro in der Stunde.“
Nun reichte es ihr, sie wollte sich nicht länger anhören müssen, was sie alles falsch machte und was schief lief in ihrem Leben. Sie war 23, sie stand an der Schwelle zum Leben, sie war jung und ihr standen alle Möglichkeiten offen. Sie wollte sich nicht verurteilen lassen, nur, weil der Start ein bisschen missglückt war. Sie würde noch aufholen.
„Es kann nun mal nicht jeder reich heiraten und dann sein Leben lang auf der faulen Haut sitzen, so wie du!“
Und ab hier war das Telefonat eine reine Katastrophe. Was nicht heißt, dass es zuvor besser gewesen wäre.
Doch als es endlich zu Ende war und Madeleine den Hörer auflegen konnte, atmete sie erleichtert aus.
Die Beziehung zu ihrer Mutter war schon immer wacklig gewesen. Und sie machte auch kein Geheimnis aus ihrer Abneigung gegenüber Madeleines Freund Benjamin, was nicht gerade förderlich war.
Madeleine saß am Esszimmertisch und massierte sich die Schläfen. Von Gesprächen mit ihrer Mutter bekam sie meist Kopfschmerzen.
Der Streit mit Benjamin war schon am Abend vorher aus dem Weg geräumt worden.
Er war nach Hause gekommen, als sie schon im Bett lag, hatte sich zu ihr ins Bett und einen Arm um sie gelegt. Dann hatte er gesagt, dass es ihm leid täte und dass er es hasste, sich mit ihr zu streiten. Sie hatte entgegnet, dass es ihr ebenfalls leid tat und dass es alles aus den Fugen geraten war.
Und heute Morgen war alles wieder in Ordnung. Ein neuer Tag, eine neue Chance.
Madeleine stand auf, um in die Küche zu gehen und sich eine Tasse Tee zu machen. Es war der 13. Oktober und mittlerweile wurde es immer kühler draußen.
Heute war einer dieser Tage, an denen man sich am liebsten mit einem Tee und einer kuscheligen Wolldecke auf die Couch setzen und lesen würde, aber leider hatte sie keine Zeit dafür. Sie müsste später noch arbeiten gehen und vorher duschen und das Abendessen vorbereiten. Sie genoss kurz die Stille, stand mit geschlossenen Augen an die Küchenzeile angelehnt, atmete ruhig ein und aus.

„Und bei euch ist wieder alles in Ordnung?“, fragte Mark mit einem Unterton in der Stimme, der wohl seine Irritation ausdrücken sollte.
„Ja, wir haben uns wieder vertragen.“
Mark nickte anerkennend und nippte an seinem Kaffee. „Manchmal bewundere ich euch für eure Beziehung.“
Benjamin warf den Kopf in den Nacken und lachte laut. Doch als er Marks Blick bemerkte, verstummte er und räusperte sich. „‘Tschuldige, ich dachte, das wäre ein Scherz.“
„Nein, ich meinte das ernst. Ihr streitet euch zwar relativ oft, nach dem, was du mir so erzählst, aber am nächsten Tag ist es, als wäre nie etwas passiert.“
„Und was genau bewunderst du daran jetzt?“
„Ich finde, das zeigt, wie sehr ihr euch tatsächlich liebt.“
Benjamin lachte erneut. „Sag mal, wo hast du eigentlich heute deine Eier gelassen?“
Mark war eingeschnappt und schmollte.
„Ach komm“, Benjamin stieß ihm mit dem Ellenbogen in die Seite, „das war ein Scherz.“
„Ich mein’s aber ernst. Halte sie fest Benjamin. So eine wie Madeleine findest du nur einmal.“
 Nachdenklich starrte er auf den Asphalt zu seinen Füßen und murmelte nur ein „Hm“.

Erster Teil.

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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