Mittwoch, 6. März 2013

Heute: von Werten, Idealvorstellungen und Prioritäten.


Hallo,

heute mal ein etwas anderer Post. Ich hoffe, ihr lest ihn trotz der Länge aufmerksam und nehmt ihn ernst.

In letzter Zeit habe ich viel über Werte und Ideale nach gedacht. Vielleicht, weil wir in Deutsch gerade die Aufklärung behandeln. Aber trotzdem war das schon immer ein Thema, das mich sehr beschäftigt hat.

Schließlich muss jeder seine Prioritäten setzen, jeder muss entscheiden was er für richtig und was für falsch hält.
Aber gibt es überhaupt ein Richtig und ein Falsch?
Ist der Mann, der ein Kind missbraucht hat wirklich so böse, wie wir annehmen? Oder sollten wir ihn bemitleiden, weil er seinen Trieben nicht standhalten konnte?
Tötet jemand, bloß weil er Spaß daran hat, oder ist er vielleicht krank und weiß nicht was er tut? Und macht ihn das dann weniger schuldig? Schließlich bleibt ein genommenes Leben immer noch das was es ist und kann nicht rückgängig gemacht werden.
Und dadurch, dass der Mörder tot ist, wird das Opfer auch nicht wieder lebendig.
Ist Homosexualität etwas Natürliches oder verachte ich sie, weil meine Religion es mir so vorschreibt?
Ist Abtreibung gleichzusetzen mit Mord? Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich andere Vorstellungen habe wie alle anderen?


Das sind Fragen, die jeder für sich beantworten muss. Deine Meinung kann dir schließlich niemand nehmen. Aber sie sich erst einmal anzueignen ist meiner Meinung nach das erste Problem.
Zum Beispiel wird man vermutlich in 99 von 100 Entscheidungen von etwas oder jemandem beeinflusst. Kannst du sagen, wann du das letzte Mal etwas entschieden hast, wobei du ganz sicher sagen kannst, dass es ALLEIN DEINE Überzeugung war?
Was den Mensch schließlich ausmacht, ist sein freier Wille, nicht? Die Fähigkeit bewusst Entscheidungen zu fällen. Hätten wir die nicht, wären wir vermutlich auch nur Tiere, gesteuert von ihren Trieben.
Aber zurück zur Meinungsfreiheit. Du beschließt also selbst, welche Werte du vertreten willst. Was richtig und falsch ist. Und du stehst auch zu 100 Prozent hinter deiner Meinung.
Du bist ein Individuum mit freiem Willen, Idealvorstellungen, einem eigenen Stil und Geschmack.

Folgende Überlegung hatte ich heute, die mich zu diesem Text bewegt hat:
Im Ethik-Unterricht behandeln wir gerade das Thema Religionskritik. Ich will jetzt aber nicht anfangen, die Religion in den Dreck zu ziehen.
Vielleicht sollte ich trotzdem vorab sagen, dass ich selbst nicht sonderlich gläubig bin.
Ich würde gerne an Gott glauben, aber bisher hat das nicht geklappt, es deckt sich einfach nicht mit meinen restlichen Überzeugungen.
Jedenfalls haben wir die letzten paar Stunden an Referaten zu verschiedenen Weltreligionen gearbeitet. Heute war die Gruppe, die das Thema „Judentum“ bearbeitet hat, an der Reihe zu präsentieren. Einer aus der Gruppe sagte während des Vortrags, dass die Juden strikt gegen Homosexualität wären.
Nun, das ist nichts Neues und das Judentum ist auch gewiss nicht die einzige Religion, die das so handhabt. Aber ich fand das irgendwie eigenartig. „Das Judentum billigt keine Homosexualität.“ Das ist Kollektivdenken. Nicht das einzelne Individuum zählt, sondern das große Ganze: die Religion.
Und eben das will ich nicht. Ich will nicht willenlos an das glauben, das in einem Buch steht, weil es Milliarden andere Menschen auch glauben, weil es irgendein Prophet mal gepredigt hat und angeblich Gottes Wille ist. Und wenn ich das in Frage stelle, was ist dann? Ist das dann Gotteslästerung? Was würde mein Gott denn tun, wäre ich homosexuell? Würde er mich nicht mehr lieben, obwohl er doch angeblich jeden Menschen liebt?
Dürfte ich nicht mehr an ihn glauben? Und würden die Menschen, die ICH liebe, mich nicht akzeptieren können? Muss man sich dann entscheiden zwischen der Religion und der Akzeptanz des Ichs?
Ich will meine eigene Meinung haben dürfen. Und auch, wenn ich verschiedene Aspekte aus dem Christentum, dem Islam, dem Buddhismus und Hinduismus, dem Judentum und so weiter nachvollziehen und bestätigen kann, so sind es nur einzelne Punkte und nicht die gesamte Glaubenseinstellung.

Mir ist das Thema Homosexualität und allgemein die Toleranz sehr wichtig, da mein Bruder homosexuell ist und es mich früher immer sehr verletzt hat, wenn einer meiner Freunde deswegen anders über ihn gedacht hat oder ihn anders behandelt hat. Heute kommt das eigentlich nicht mehr vor.
Aber hierbei geht es mir nicht nur darum. Nehmen wir das Thema Abtreibung.
Neulich gab es doch diesen netten Fall in Köln, als die katholischen Krankenhäuser einer Frau, die vergewaltigt wurde, nicht helfen wollten, weil das bedeutet hätte, ihr die Pille danach zu verabreichen und das könnte man mit den Glaubensgrundsätzen nicht vereinbaren.
Stimmt doch in etwa oder?
Ich will das Thema jetzt nicht wieder komplett aufrollen, aber ist es nicht die Entscheidung der Frau, ob sie ein Kind ihres Vergewaltigers austragen will?
Sollte man nicht ihre Wertvorstellung akzeptieren und tolerieren?

Das und vieles mehr sind Dinge, die uns Tag für Tag seit unserer Geburt eingetrichtert werden: Dies ist schlecht, jenes ist gut, das darfst du nicht, anderes jedoch musst du tun, du musst selbst entscheiden. In der Theorie klingt das alles wunderbar, aber in der Umsetzung legen die gleichen Menschen, die dir diese Sachen beigebracht haben, dann riesige Felsen in den Weg.

Wenn ihr diesen langen Beitrag bis hierher gelesen habt, dann Danke für eure Aufmerksamkeit.
Ich hoffe, ich konnte meinen Standpunkt klar machen und habe jetzt damit niemandem vor den Kopf gestoßen, schließlich ist Religion immer ein heikles Thema.
Über eure eigene Meinung dazu würde ich mich freuen.

Liebe Grüße und gute Nacht,
 Noelle ♥

Kommentare:

  1. ein wunderbarer post voller fragen & noch mehr fragen.
    ich bin beeindruckt, das ist wirklich super gelungen :)

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  2. hey :)
    nein ich glaube nicht, aber ehrlich gesagt habe ich mich gar nicht richtig beworben,
    das ist etwas an mir vorbeigegangen :/ hatte viel im kopf in letzter zeit.
    aber ich wüsste auch nicht so recht, was ich dann schreiben sollte :D

    Liebe Grüße :)

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„Besser kritisiert als ignoriert. Ich kann wunderbar leben mit schlechter Kritik.“ - Frank Farian

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